Photoshop lernt sprechen

Adobe baut einen Chat-Modus in Photoshop, Google und OpenAI bearbeiten Fotos per Satz, Affinity ist plötzlich kostenlos. Der große Überblick: Werkzeuge, Preise, Qualität und Grenzen.

Titelbild: mit KI erzeugt (Google Gemini), gestaltet nach unserer Bildsprache.

Du lädst ein Foto hoch, tippst „nimm den Zaun raus und mach den Himmel klarer" und wartest zehn Sekunden. So funktioniert Bildbearbeitung im Jahr 2026, und seit dieser Woche funktioniert so auch Photoshop. Adobe hat am 27. August Photoshop 27.10 vorgestellt, unter anderem ifun.de berichtete. Für uns ist das der Anlass, einmal ganz auf die Branche zu schauen: Was können die Werkzeuge, was kosten sie, und wo stehen die Grenzen?

Photoshop bekommt einen zweiten Betriebsmodus

Der neue „AI Assisted Editor" ersetzt Werkzeugleisten durch ein Eingabefeld. Er ist als Beta ein zweiter, optionaler Modus neben der klassischen Oberfläche. Die heißt jetzt „Pro Editor". Im KI-Modus beschreibst du die Änderung in Alltagssprache. Dahinter stecken die bekannten Funktionen: Hintergrund entfernen, Bild erweitern, Objekte löschen, hochskalieren. Neu ist auch „Markup": Du malst Pfeile oder Kreise ins Bild, und die KI versteht sie als Anweisung. Wichtig für Profis: Die Ergebnisse landen als eigene Ebene im Dokument, die klassische Arbeitsweise bleibt erhalten.

Photoshop mit zwei Modi: links der neue KI-Modus „AI Assisted", daneben der Umschalter zum klassischen „Pro Editor"Zwei Zugänge zum selben Programm: der neue KI-Modus und der klassische Pro Editor. Bild: Adobe.

Die Fachpresse ordnet das nüchtern ein. DPReview schreibt, der neue Modus richte sich an Menschen, die neu in der Software sind; für Profis öffne er kaum neue Wege. Das deutsche Fachmagazin ProfiFoto bringt es auf den Satz: Nicht das Ergebnis werde neu, sondern der Weg dorthin.

Adobe holt die Konkurrenz ins eigene Haus

Der spannendste Teil der Ankündigung steht im Kleingedruckten: Photoshop arbeitet jetzt mit fremden KI-Modellen. Neben Adobes eigenem Modell Firefly stecken seit Herbst 2025 auch Googles Gemini-Bildmodelle (bekannt als „Nano Banana") und FLUX von Black Forest Labs direkt im Generative Fill; im Firefly-Ökosystem sind es laut Adobe mehr als 25 Modelle. Adobe hat seit 2023 das eigene Modell aufgebaut und gibt nun zu, dass Kunden auch die Konkurrenz wollen.

Vorher-Nachher in Photoshop: Firefly Image 5 ersetzt den rosa Studiohintergrund eines echten Fotos durch eine Wiese mit GoldrahmenEin Befehl, neuer Schauplatz: Firefly Image 5 tauscht den Hintergrund eines echten Fotos. Bild: Adobe.

Der Blick auf die Ranglisten erklärt, warum. Auf den zwei großen Vergleichsplattformen für KI-Bildbearbeitung bewerten Nutzer Modelle im Blindvergleich. Bei arena.ai führt OpenAIs gpt-image-2 vor Modellen von xAI, Microsoft und Meta (Stand 25.08.2026, über 29 Millionen Stimmen). Bei Artificial Analysis liegt Microsoft vorn. Adobes Firefly taucht in keiner der beiden Top-Listen auf. heise online urteilte schon im Dezember 2025: Adobe winde sich mit den Partnermodellen „geschickt aus der Situation bisher recht unbefriedigender Ergebnisse des eigenen KI-Modells Firefly".

Die neue Konkurrenz bearbeitet Fotos per Satz

Die größte Umwälzung kam nicht von einem Bildbearbeitungsprogramm, sondern von einem Chatbot. Im August 2025 veröffentlichte Google Gemini 2.5 Flash Image, Spitzname Nano Banana. Das Modell bearbeitet echte Fotos auf Zuruf und hält dabei Gesichter stabil. Der Effekt war messbar: Die Gemini-App sprang im September 2025 auf Platz 1 des US-App-Stores und verdrängte ChatGPT auf Platz 2. Bis Oktober zählte Google über fünf Milliarden Nano-Banana-Bilder. Der Nachfolger Nano Banana Pro rechnet in 2K und 4K und kombiniert bis zu 14 Vorlagenbilder.

Sechs Ausgangsfotos links, rechts das daraus gebaute Gruppenbild in einer Wüstenlandschaft, alle Personen wiedererkennbarSechs Ausgangsfotos, ein Ergebnis: Nano Banana Pro kombiniert Vorlagen und hält die Personen konsistent. Bild: Google.

OpenAI hatte den Trend schon im Frühjahr 2025 ausgelöst: Nach dem Start des Bildgenerators in ChatGPT entstanden in einer Woche über 700 Millionen Bilder von 130 Millionen Nutzern. Und mitten in diesem Rennen steht eine deutsche Firma: Black Forest Labs aus Freiburg baut mit FLUX Modelle, die auch Adobe einbindet. Investoren bewerteten das Unternehmen Ende 2025 mit rund 3,25 Milliarden Dollar.

Die stille Revolution läuft daneben am Handy. Google Fotos hat 1,5 Milliarden Nutzer im Monat, 210 Millionen davon bearbeiten dort Fotos. Die meistgenutzte Bildbearbeitung der Welt ist längst keine Profi-Software mehr.

Was Adobe verlangt, und was die Kunden davon halten

Während die Konkurrenz billiger oder kostenlos wurde, hat Adobe die Preise Schritt für Schritt erhöht. Das Abo für alle Programme kostete 2013 in den USA 49,99 Dollar im Monat. Heute sind es 69,99 Dollar, seit Juni 2025 unter dem Namen „Creative Cloud Pro". Das ist ein Plus von 40 Prozent. In Deutschland zeigt die Adobe-Preisseite dafür aktuell gut 80 € im Monat an (Stand Ende August 2026). Das beliebte Foto-Abo für 9,99 Dollar hat Adobe Anfang 2025 für Neukunden gestrichen; Bestandskunden zahlen 50 Prozent mehr. Gleichzeitig kürzte Adobe bei Einzel-Abos das monatliche Kontingent an KI-Generierungen von 500 auf 25 Credits.

Preis-Treppe: Adobe-Abo-Preis steigt von 49,99 Dollar im Jahr 2013 in vier Stufen auf 69,99 Dollar seit 2025Der Preis für das große Adobe-Abo stieg seit 2013 um 40 Prozent. Eigene Darstellung, Quellen: Adobe-Preisankündigungen 2017 bis 2025.

Der Ärger darüber ist messbar. Bei Trustpilot steht Adobe bei 1,2 von 5 Sternen aus über 7.400 Bewertungen, 91 Prozent vergeben einen Stern. Die Kritik zielt fast nie auf die Software, fast immer auf Abo und Kündigung. Dazu passt: Die US-Handelsaufsicht FTC verklagte Adobe 2024 wegen versteckter Kündigungsgebühren. Im März 2026 endete das Verfahren mit einem Vergleich über 150 Millionen Dollar, zur Hälfte Geldbuße, zur Hälfte kostenlose Leistungen für betroffene Kunden.

Und trotzdem: Von Kundenflucht keine Spur. Adobe meldete für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 6,62 Milliarden Dollar, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Kunden murren und zahlen. Photoshop als Werkzeug bleibt hoch bewertet, die Photoshop-App hält im App Store 4,5 von 5 Sternen. Der Frust gilt dem Geschäftsmodell, nicht dem Programm.

Die Alternativen: kostenlos war noch nie so gut

Wer Adobe verlassen will, hat mehr Auswahl als je zuvor, und die stärkste Alternative kostet nichts. Die Preisspanne reicht von 0 € bis 69,99 $ im Monat:

Preiskarte: acht Bildbearbeitungsprogramme in drei Gruppen, kostenlos, Einmalkauf, AboListenpreise der wichtigsten Programme, Stand August 2026. Eigene Darstellung, Quellen: Preisseiten der Hersteller, im Text verlinkt.

  • Affinity (früher rund 70 € pro Programm) ist seit Oktober 2025 komplett kostenlos: Pixel, Vektor und Layout in einer App, über 5 Millionen Downloads in den ersten Monaten. Der Haken: Canva-Konto Pflicht, KI-Funktionen nur im Canva-Abo.
  • Canva, der neue Eigentümer, hat 265 Millionen Nutzer im Monat, 31 Millionen zahlen, 4 Milliarden Dollar Jahresumsatz.
  • Capture One (Dänemark): Profi-Standard für Studiofotografie, Abo ab rund 18 $/Monat oder Dauerlizenz, Preise zuletzt +6 %.
  • Pixelmator Pro (seit Anfang 2025 bei Apple): 49,99 $ einmalig, neue Funktionen wandern ins Apple-Abo für 12,99 $/Monat.
  • Luminar Neo (Skylum): KI-Automatik ab 119 $ einmalig. Photopea: Photoshop-Ersatz im Browser, kostenlos, Premium 5 $/Monat.
  • GIMP 3.0 und darktable: Open Source, 0 €. GIMP 3.0 kam im März 2025 nach sieben Jahren Arbeit, endlich nicht-destruktiv.

Photopea im Browser: Photoshop-artige Oberfläche mit deutschen Menüs, öffnet PSD-, AI- und RAW-DateienEin kompletter Bildeditor im Browser-Tab, ohne Installation: Photopea öffnet sogar Photoshop-Dateien. Screenshot: photopea.com, 28.08.2026.

Spannend ist, wie verschieden die Hersteller auf den KI-Druck antworten. Canva verschenkt die Software und verdient am Abo dahinter. Capture-One-Chef Rafael Orta hält bewusst dagegen: „Wir verstehen uns als Fotografie-Unternehmen, wir hatten nie den Drang, uns als KI-Unternehmen neu zu erfinden" (unsere Übersetzung aus dem Englischen). Skylum wiederum, groß geworden mit dem KI-Himmelstausch, wirbt inzwischen mit „authentischer Fotografie". Ein Muster bleibt: Die zwei bekanntesten Einmalkauf-Anbieter gehören jetzt Konzernen, die sie als Zubringer ins eigene Abo nutzen. Wirklich unabhängig und abofrei sind noch Capture One, GIMP, darktable und Photopea.

Der Praxistest: Wo die KI heute noch scheitert

Wir arbeiten in der Agentur täglich mit diesen Werkzeugen, und die Grenzen sind konkret. Ein Beispiel aus unserer eigenen Bildproduktion: Ein Magazin-Foto sollte per ChatGPT nur etwas heller werden. Das Modell lieferte ein gutes Ergebnis, aber ein neues Bild. Details, Kanten, Gesichter: alles minimal anders, denn diese Modelle erzeugen das Bild neu, statt es zu korrigieren. Für Kundenmaterial ist das ein Ausschlusskriterium. Genau deshalb testen wir die Anbindung der KI an Photoshop und Lightroom: Helligkeit und Farben steuern klappt dort, an die Ebenen einer Photoshop-Datei kommt die KI aber noch nicht heran.

Die vier Grenzen, die aktuell für alle Chat-Editoren gelten:

  1. Wiederholbarkeit. Derselbe Auftrag liefert jedes Mal ein anderes Ergebnis. Eine Kundenkorrektur wie „nur das Logo etwas größer" ist so kaum umsetzbar.
  2. Auflösung. Die Modelle rechnen mit maximal rund 4 Megapixeln. Für Web reicht das, für ein Messeplakat nicht.
  3. Druckvorstufe. KI-Modelle arbeiten in RGB. CMYK, Sonderfarben und Farbprofile für den Druck kennen sie nicht.
  4. Kennzeichnung. Seit dem 2. August 2026 verlangt die EU-KI-Verordnung eine maschinenlesbare Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte. Google stempelt jedes Nano-Banana-Bild unsichtbar mit SynthID. Was das für Texte heißt, haben wir im Blog bereits beschrieben, und Artikel 4 der Verordnung verlangt geschulte Mitarbeiter obendrein.

Der eigentliche Hebel: Schnittstellen statt Handgriffe

Der spannendste Wettkampf läuft nicht mehr in der Oberfläche, sondern an der Schnittstelle. Seit es den offenen Standard MCP gibt, können KI-Assistenten Programme direkt steuern. Adobe ist hier weit vorn: Seit April 2026 gibt es die offizielle Anbindung „Adobe for Creativity" an Claude, mit über 50 Werkzeugen quer durch Creative-Cloud-Programme wie Photoshop, Premiere und Express. Für Unternehmen bietet Adobe zusätzlich die Firefly Services, also Photoshop-Funktionen als Programmierschnittstelle. Canva hat einen eigenen Entwickler-Zugang samt MCP, Affinity bisher nur inoffizielle Lösungen aus der Community. Und die Modellanbieter selbst (OpenAI, Google, Black Forest Labs) sind ohnehin zuerst Schnittstelle und erst dann App.

Warum das zählt: Über eine Schnittstelle hinterlegst du Regeln statt Handgriffe. Die Bildsprache deiner Marke steht dann einmal als Regelwerk fest, und jede Grafik hält sie ein, egal welcher Bildstil gerade gebraucht wird. Genau so arbeiten wir selbst: Unsere Medien-Strecke läuft von der Themen-Recherche über Text und Grafiken bis zur Veröffentlichung auf der Webseite als durchgehende Pipeline, die Bildwerkzeuge hängen per Schnittstelle daran (unter anderem Artlist mit offiziellem Claude-Anschluss für eine einheitliche Bildsprache). Auch dieser Beitrag ist so entstanden. Dabei bleiben die Adobe-Standardprodukte bei uns gesetzt, daneben nutzen wir je Aufgabe die stärksten Modelle, aktuell OpenAIs Bildmodell an der Spitze der Ranglisten und FLUX von Black Forest Labs.

Was das für dein Unternehmen bedeutet

Die Frage „welches Programm kaufen wir?" wird zur Frage „wie sieht unser Bild-Workflow aus?". Für schnelle Social-Media-Bilder reicht heute ein kostenloses Werkzeug oder ein KI-Modell im Chat. Für Markenauftritt, Kampagnen und Druck braucht es weiterhin den kontrollierten Weg: echte Dateien, echte Ebenen, Farbmanagement, Freigaben und saubere Kennzeichnung. Die Kunst liegt darin, beides zu verbinden: die Geschwindigkeit der KI und die Verlässlichkeit des Profi-Workflows.

Genau an dieser Naht arbeiten wir bei JANDA+ROSCHER: als Kreativagentur, die Marken baut, und als Technik-Team, das KI-Abläufe in Unternehmen einführt, gemeinsam mit den internen Teams, nicht an ihnen vorbei. Wenn du wissen willst, welcher Bild-Workflow zu deinem Unternehmen passt: Melde dich, wir zeigen dir, was wir selbst nutzen.

Transparenz: Das Titelbild dieses Beitrags ist mit KI erzeugt (Google Gemini) und nach unserer Bildsprache gestaltet. Die Produkt-Abbildungen stammen aus dem offiziellen Pressematerial von Adobe und Google, der Photopea-Screenshot ist eine eigene, unveränderte Bildschirmaufnahme; alles ist in der Bildunterschrift gekennzeichnet. Die Infografiken sind aus verifizierten Zahlen deterministisch gerendert. Alle Zahlen im Text sind verlinkt und wurden vor Veröffentlichung an der Quelle geprüft.

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