Ostbayern KI-Report, 11. September 2026

Ostbayern KI-Report, 11. September 2026

Der Regensburger Halbleiterausrüster ASMPT Amicra sucht dank KI-Boom 40 Prozent mehr Leute. Zwei KI-Rechenzentren sollen in die Region, und Passau wird zur Gründerstadt.

  • Ein Regensburger Halbleiterausrüster wächst am KI-Boom und sucht 40 Prozent mehr Leute
  • Der Förderhub edih dina ist gestartet: fast 100 kostenlose Leistungen für den KI-Einstieg
  • Zwei KI-Rechenzentren sollen in die Region, doch die Rechenleistung bleibt nicht hier
  • In Passau wächst eine KI-Gründerszene, die auf den Mittelstand zielt
  • Consolinno und b-plus zeigen, wofür regionale Firmen KI im Alltag einsetzen
  • Am 25. September macht Regensburg Künstliche Intelligenz an mehreren Orten zum Anfassen

Diese Ausgabe erzählt eine Region, die an der Künstlichen Intelligenz nicht nur forscht, sondern verdient und wächst.

In dieser Ausgabe: ASMPT Amicra, Regensburg · TechBase Regensburg · Infineon · Ignis Energy, Wenzenbach · Inn.Kubator, Passau · Consolinno, Regensburg · b-plus, Deggendorf · Uniklinikum und OTH Regensburg

Ein Regensburger Halbleiterausrüster boomt mit der KI

ASMPT

ASMPT Amicra sitzt in Regensburg und kennt in der Oberpfalz kaum jemand. Im Silicon Valley schon. Die Firma baut Maschinen, die Chips genauer als ein Tausendstel Millimeter auf ihre Träger setzen, unter anderem für Silicon Photonics und Optoelektronik. Genau diese Präzision brauchen die Hochleistungschips hinter der KI.

Der KI-Boom bringt Amicra eine Rekordnachfrage. Die Kunden aus dem Silicon Valley gehen bei den Regensburgern ein und aus, sagen die Geschäftsführer. Das Unternehmen will die Zahl der Mitarbeiter um rund 40 Prozent erhöhen.

Für Marketing- und Personalleute in der Region ist das eine seltene Geschichte vor der Haustür: ein stiller Weltmarktführer, der gerade stark wächst und Fachkräfte sucht. Wer Employer Branding macht, findet hier einen Arbeitgeber mit einer echten Wachstumsgeschichte statt einer Worthülse. Berichtet hat es die Mittelbayerische, die Technik steht bei all-electronics.

Der KI-Förderhub edih dina ist gestartet

edih dina

Seit September ist „edih dina“ in Betrieb, ein European Digital Innovation Hub. dina steht für Digital Innovation and Artificial Intelligence. Träger ist die TechBase Regensburg mit den Clustern AIR und Mobility & Logistics und der Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz.

Das Budget liegt bei knapp 6 Millionen Euro, die Hälfte kommt aus dem EU-Programm Digital Europe. Dafür gibt es fast 100 kostenfreie Leistungen für kleine Firmen, Start-ups und die Verwaltung. Ein Betrieb kann eine Technologie testen, seine Leute schulen lassen, sich zu Fördergeld und Risikokapital beraten lassen. Ohne eigene Vorabinvestition.

Das ist der konkrete Nutzen für dich: Hat ein Kunde eine KI-Idee, aber Angst vor den Kosten, kannst du ihn an eine feste Adresse schicken, die den Test bezahlt. Die Leistungen stehen auf der Projektseite der TechBase.

KI-Rechenzentren kommen in die Region, doch die Leistung bleibt nicht hier

Zwei große Projekte stehen an. Bei Niederaichbach im Landkreis Landshut sollen am Kernkraftwerk Isar ein KI-Rechenzentrum mit 100 Megawatt und ein Batteriespeicher mit 900 Megawatt entstehen (Süddeutsche Zeitung). In Wenzenbach nordöstlich von Regensburg plant die spanische Ignis Energy eines mit 300 Megawatt. Dort regt sich Protest: Bürgerinitiative, Petition mit tausenden Unterschriften, Bund Naturschutz. Auf dem Grundstück steht eine fast tausend Jahre alte Kapelle (Regensburg Digital).

Zwei geplante KI-Rechenzentren in OstbayernGeplante Leistung der beiden Rechenzentren in Megawatt. In Niederaichbach kommt ein Batteriespeicher mit 900 Megawatt dazu.

Ein Rechenzentrum am WaldrandSymbolbild, KI-generiert. So groß wird die gerodete Fläche für ein Rechenzentrum am Waldrand.

Eine Einordnung, die im Bericht oft fehlt: Die Rechenleistung solcher Zentren geht an die weltweite Cloud- und KI-Nachfrage. Lokale Firmen bekommen davon keine günstige Rechenkapazität. Die Region bekommt Bauaufträge, einige Betriebsstellen und Gewerbesteuer. Sie zahlt mit Fläche, Strom, Wasser und Streit vor Ort. Verdienen tun vor allem die Zulieferer. Infineon meldet am 9. September einen halbleiterbasierten Schutz für die 800-Volt-Technik solcher Rechenzentren (Infineon). Wer Kommunen oder Standort-Themen betreut, sollte die Debatte kennen. Sie prägt die Lokalpolitik der nächsten Monate.

In Passau baut ein KI-Dienstleister Werkzeuge für den Mittelstand

synsugar

Sarah Stemmler gründete 2022 im Passauer Inn.Kubator die Firma synsugar. Ihr Produkt Klaaro.ai macht aus beliebigen Dokumenten strukturierte, verlässliche Daten. synsugar baut KI-Lösungen für kleine und mittlere Betriebe, von der Beratung bis zur fertigen Software. Getragen wird die Szene vom Gründerzentrum Inn.Kubator. Passau steht beim bayerischen Start-up-Monitor 2026 bundesweit auf Platz 25, gerechnet je Einwohner (synsugar, Inn.Kubator).

Konkret für dich: Bekommst du von einem Kunden eine KI-Anfrage, hast aber keinen Entwickler im Haus, ist synsugar ein Partner in der Region, an den du das abgeben kannst, statt nach München zu vergeben. Und Klaaro.ai nimmt einem Team das Abtippen von Angeboten, Rechnungen oder Briefings ab.

Wofür regionale Firmen KI im Alltag einsetzen

Consolinno Energy

b-plus

Consolinno Energy aus Regensburg baut ein Home-Energie-Management, das Photovoltaik, Speicher und Wärmepumpe automatisch steuert. Am 10. September hat die Firma für drei typische Häuser vorgerechnet, was das bringt: Allein die automatische Steuerung spart in der Simulation 731 bis 845 Euro Stromkosten im Jahr, mit dynamischem Tarif mehr (Consolinno).

Die b-plus GmbH aus Deggendorf hat am 31. August ihr Werkzeug CONiX Testfleet 3.10 vorgestellt. Die neue Funktion Recordings macht die Aufzeichnungen von Testfahrten in großen Datenmengen wieder auffindbar und verknüpft sie mit der Entwicklungsdokumentation. Der zugehörige Datenlogger LOGifyer B1 SE vom 6. August zeichnet Kamera-, Radar- und Lidar-Daten synchron auf (b-plus).

Beide sind Mittelständler, keine Konzerne. Sie taugen als Beispiel, wenn ein Kunde fragt, wie KI und Automatisierung konkret in einem normalen Betrieb aussehen.

Praxis-Portrait: Wie eine Regensburger KI Zahnkronen entwirft

Ein Team am Universitätsklinikum Regensburg und an der OTH hat KI in der Zahntechnik getestet. Die Arbeitsgruppe von Prof. Martin Rosentritt bekam dafür den Wissenschaftspreis 2026 der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien. Das Ergebnis ist praktisch: Die KI baute eine brauchbare Krone zuverlässig, sobald ihr die Scandaten des betroffenen Mundbereichs vorlagen. Ein kompletter Mundscan brachte nichts Besseres, zu wenige Daten machten das Ergebnis schlechter.

Für ein Dentallabor ist das eine handfeste Arbeitsanweisung: Mehr als den Quadranten zu scannen, kostet Zeit ohne Gewinn (ScienceBlog der Universität Regensburg).

Tag der KI in Regensburg

Am 25. September öffnen die TechBase, das Degginger, die OTH Regensburg und weitere Orte in der Stadt ihre Türen. Firmen, Hochschulen und Regensburger Akteure zeigen KI zum Anfassen: Live-Demos, offene Labore, Vorträge, Prompting-Tipps. Das Programm richtet sich an alle, vom Neugierigen ohne Vorwissen bis zum Profi. Wer Kunden oder Mitarbeiter hat, die KI noch für abstrakt halten, hat hier einen Termin zum Mitnehmen (AIR Regensburg).

Termine

TerminVeranstaltungFür wen und was
17.09.2026, LandshutIHK Niederbayern: KI-Beratung vor OrtFür KMU: kostenlose Einzelberatung, wo KI im eigenen Betrieb ansetzt
24.09.2026, TechBase RegensburgArbeitsgruppe Embedded KI, EdgeBrainFür Produktion und Technik: wie ein Sensor per KI Maschinen-Vibrationen auswertet
25.09.2026, RegensburgTag der KI „Schau hi“Für alle: Live-Demos und offene Labore an mehreren Orten

Wie dieser Report entsteht

Der Ostbayern KI-Report erscheint alle zwei Wochen. Er sammelt, was in Regensburg, Niederbayern und der Oberpfalz mit KI, Automatisierung und dem digitalen Wandel der Arbeit wirklich passiert. Jede Meldung stammt aus einer Quelle, die wir selbst geöffnet und geprüft haben.

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