Bei Suchen mit Übersicht mit KI klicken weniger Leute auf Platz eins, ab 30. Oktober darf Meta Business-Websites lesen. Was Firmen jetzt tun können.
Der Spiegel, die ZEIT und die FAZ sind bei einem Pilotprojekt von Google News dabei, und Google bezahlt die Teilnehmer dafür. Google darf aus ihren Artikeln Vorschauen und Audio-Zusammenfassungen mit KI bauen. Die deutschen Partner nennt Google in seinem deutschen Blog, dazu kommen inzwischen unter anderem Handelsblatt, Tagesspiegel und das RedaktionsNetzwerk Deutschland. Dass Google zahlt, steht im englischen Blog, dort ist von mehr als 400 Medien weltweit die Rede. Wie viel, sagt keiner. Mich hat beim Lesen etwas anderes beschäftigt, nämlich was mit den Texten passiert, für die niemand zahlt, also mit deiner Produktseite, deinem Fachbeitrag oder der Pressemitteilung, die du nächste Woche verschickst.
Das Wichtigste in Kürze
- Was ist die Übersicht mit KI? So heißt die KI-Zusammenfassung, die Google über die normalen Suchtreffer setzt. Bei Suchen mit dieser Zusammenfassung klicken 11 Prozent auf das erste normale Suchergebnis, bei Suchen ohne sie 27 Prozent, hat Sistrix für Deutschland gemessen.
- Kann ich meine Website aus der Übersicht mit KI herausnehmen? Ja. Google hat dafür ab Juni 2026 nach und nach einen Schalter in der Search Console eingeführt, Googles kostenlosem Werkzeug für Website-Betreiber. Seit dem 31. August gibt es ihn für alle Websites. Die Platzierung in der normalen Suche berührt er laut Fachpresse nicht.
- Was ändert sich bei Meta am 30. Oktober? Wer Facebook, Instagram oder WhatsApp geschäftlich nutzt, erlaubt Meta mit den neuen Bedingungen, die verknüpfte Website mit Crawlern zu lesen, also mit Programmen, die Seiten automatisch abrufen. In der US-Fassung hat Meta das Wort „train“ (trainieren) gestrichen, in der britischen und der deutschen Fassung steht es am 18. Oktober noch drin.
- Soll ich meine Website aus der Übersicht mit KI abmelden? Den meisten Firmen raten wir davon ab, auch wenn sich der Nutzen des Drinbleibens nicht beweisen lässt.
Mit KI-Zusammenfassung klicken auf Platz eins 11 statt 27 Prozent
Wie oft bei Suchen mit KI-Zusammenfassung noch geklickt wird, hat das Analysehaus Sistrix gemessen. Es hat über 100 Millionen Suchbegriffe ausgewertet und Suchen mit und ohne KI-Zusammenfassung verglichen, der Zeitungsverlegerverband BDZV hat die Zahlen im März veröffentlicht. Steht keine KI-Zusammenfassung über den Treffern, klicken 27 Prozent auf das erste Ergebnis, steht eine da, sind es 11 Prozent. Bei Suchen mit Zusammenfassung klicken also nicht einmal halb so viele Leute auf Platz eins wie bei Suchen ohne. Die Zusammenfassung erscheint aber nur bei gut 20 Prozent der Suchbegriffe. Über alle Suchen gerechnet schätzt Sistrix, dass jeden Monat 265 Millionen Klicks auf normale Suchtreffer wegfallen, ein Rückgang von durchschnittlich 6,6 Prozent. Rezeptseiten verlieren etwa ein Prozent, Eltern- und Gesundheitsportale teils über 24 Prozent ihrer Klicks.
Klickrate auf das erste organische Ergebnis bei Google, Suchen mit und ohne KI-Zusammenfassung im Vergleich. Quelle: Sistrix, veröffentlicht vom BDZV am 03.03.2026.
Google misst etwas anderes. Suchchefin Liz Reid schrieb im August 2025, das gesamte Klickvolumen der Suche sei im Jahresvergleich „relativ stabil“, wie die Press Gazette berichtet. Außerdem kämen etwas mehr Besucher, die nach dem Klick auf der Seite bleiben. Ganz zusammen passt das nicht mit den 6,6 Prozent von Sistrix. Reids Aussage ist aber ein gutes halbes Jahr älter und gilt für die Google-Suche insgesamt, nicht nur für Deutschland. Für deine Seite zählt aus meiner Sicht etwas anderes, nämlich ob überhaupt noch jemand auf dich klickt, wenn eine Zusammenfassung über dir steht und dem Leser die Antwort schon gegeben hat.
Für deine Website gibt es kein Geld, aber einen Schalter
Google bezahlt die Verlage für ein Angebot in Google News, die Übersicht mit KI ist dagegen Teil der normalen Suche. Für normale Firmenwebsites gibt es dort kein Geld, aber seit diesem Jahr ein Werkzeug. Im Juni 2026 hatte die britische Wettbewerbsbehörde CMA für Großbritannien durchgesetzt, dass Verlage ihre Inhalte aus den KI-Funktionen der Suche nehmen können. Danach hat Google den Schalter nach und nach für alle eingeführt. Seit dem 31. August steht er laut Search Engine Land allen Websites weltweit in der Search Console zur Verfügung. Er liegt unter den Einstellungen und heißt „Search generative AI“. Wer seine Website dort ausschließt, verschwindet aus der Übersicht mit KI und aus dem AI Mode, Googles Suche im Chat-Format. Die Zusammenfassung erscheint dann weiter, sie stützt sich nur nicht mehr auf deine Seite, so verstehe ich die Beschreibung des Schalters. Auf die Platzierung in der normalen Suche wirkt sich das laut Search Engine Land nicht aus. Ob Google Verlagsinhalte ohne Bezahlung für diese Funktionen nutzen darf, prüft die EU-Kommission seit Dezember 2025. Wann sie entscheidet, wissen wir nicht.
Ehrlich gesagt würde ich den Schalter bei den meisten Firmen nicht umlegen. Die Agentur Seer Interactive hat bei Informationssuchen für 53 Marken ausgewertet, wie oft geklickt wird. Seiten, die in der KI-Zusammenfassung als Quelle stehen, bekamen 120 Prozent mehr Klicks als Seiten, die dort fehlen, gerechnet auf jedes Erscheinen in den Suchergebnissen. Mit Suchen ganz ohne Zusammenfassung verglichen, bekamen aber auch die genannten Seiten 38 Prozent weniger Klicks. Ob die Nennung die Klicks bringt oder ob ohnehin starke Seiten genannt werden, zeigt die Studie nicht, und in welchen Ländern gesucht wurde, schreibt Seer auch nicht. Bewiesen ist mein Rat damit nicht, das gebe ich zu. Mir reicht der Befund trotzdem, um drinzubleiben, denn wer sich abmeldet, kann gar nicht mehr als Quelle auftauchen.
Ab 30. Oktober darf Meta die Websites seiner Geschäftskunden lesen
Einen Schalter wie bei Google gibt es bei Meta nicht. Ab 30. Oktober gelten neue Geschäftsbedingungen für alle, die Facebook, Instagram oder WhatsApp geschäftlich nutzen, also für fast jede Marketingabteilung. Wer zustimmt, erlaubt Meta, die mit dem Konto verbundenen Websites mit Crawlern zu lesen. Meta darf dafür auch selbst Test-Zugangsdaten anlegen. Der Rechtsprofessor James Grimmelmann von der Cornell University liest das so, dass Meta sich damit auf deiner Seite wie ein Nutzer anmelden könnte. Wer nicht zustimmt, muss die geschäftliche Nutzung beenden.
Bis zum 16. Oktober stand in der US-Fassung außerdem, Meta dürfe die Inhalte zum Training seiner Produkte nutzen. Am 15. Oktober hatten Grimmelmann und zwei weitere Juristen bei Nieman Lab gewarnt, Meta könne damit Nachrichtenseiten für seine KI auslesen. Zwischen dem 16. und dem 17. Oktober verschwand das Wort „train“ aus der US-Fassung, wie die archivierte Fassung zeigt. Dort darf Meta die Inhalte seitdem für Werbe- und Geschäftsprodukte nutzen. In der britischen und der deutschen Fassung steht am 18. Oktober noch, Meta dürfe die Inhalte nutzen, um seine Produkte zu trainieren. Ich vermute, dass die Kritik die Streichung ausgelöst hat, beweisen kann ich es nicht. Schon am 15. Oktober hatte ein Meta-Sprecher gesagt, die neuen Bedingungen änderten nichts daran, wie Meta Websites abruft, und Website-Betreiber könnten das weiter selbst steuern.
Ich würde zuerst in die robots.txt schauen. Das ist eine kleine Textdatei auf deinem Server, die Suchprogrammen sagt, was sie lesen dürfen. Meta nennt auf seiner Entwicklerseite einen Crawler, den es unter anderem für das Training von KI-Modellen nutzt, Meta-ExternalAgent. Den kannst du in der robots.txt aussperren. Für die Vorschau, wenn jemand deinen Link auf Facebook teilt, nutzt Meta nach eigener Angabe einen anderen Crawler. Gegen das Crawlen, das die neuen Bedingungen erlauben, hilft die Datei nicht sicher. Nach Ansicht der Juristen könnte Meta argumentieren, dass der Vertrag mehr gilt als die Sperre in der Datei. Gegen die neuen Bedingungen selbst bleibt dir also nur, zuzustimmen oder auszusteigen.
Was eine KI von unserem eigenen Beitrag übrig ließ
Wir wollten wissen, was eine KI aus unseren eigenen Texten macht. Also haben wir unseren Beitrag über Azubis im ostbayerischen Handwerk dreimal von Googles Modell Gemini zusammenfassen lassen, als Antwort auf die Frage „Wie finden Betriebe in Ostbayern 2026 noch Azubis?“ in höchstens vier Sätzen. Das ist ein Labortest mit einem Text und einer Frage, nicht die echte Google-Suche.
Die Ratschläge kamen jedes Mal durch, also Klischees abbauen, die Eltern mitnehmen, gut betreuen und Feedback geben. Unser Name stand dreimal als Quelle darunter, was wenig heißt, denn wir hatten ja nur diesen einen Text vorgegeben. Die drei Zahlen, die den Beitrag tragen, fehlten in allen drei Antworten. Weder die 7,4 Prozent mehr Lehrverträge noch die 47 Bewerber auf 100 Stellen noch die 50 Azubis beim Straubinger Maschinenbauer Sennebogen. Ausgerechnet Sennebogen, unser Kunde und das beste Beispiel im Text, fehlte dreimal, obwohl der Name samt den 50 Azubis sogar im Kurzkasten oben im Beitrag steht. Autsch.
Unser Test am 18.10.2026: drei Zusammenfassungen mit Gemini 3.6 Flash, eine Frage, ein Beitrag.
Mehr als einen Hinweis gibt uns das nicht. Ich vermute, dass eine KI beim Kürzen zuerst Belege und Beispiele weglässt und behält, was die Frage direkt beantwortet. Beobachtet habe ich aber nur, dass die Zahlen wegfielen, nicht warum.
Was ich jetzt anders schreiben würde
- Name und Zahl in den Satz, der die Frage beantwortet. Im Kurzkasten unseres Azubi-Beitrags steht zuerst der Rat, Sennebogen kommt erst im nächsten Satz als Beispiel. Die KI hat den Rat genommen und das Beispiel weggelassen. Ich vermute, dass Name und Zahl eher bleiben, wenn sie im Antwortsatz selbst stehen, getestet habe ich das noch nicht.
- Nicht nur auf die eigene Pressemitteilung setzen. Von über 25 Millionen Links, die ChatGPT, Claude und Gemini als Quelle nennen, sind laut Muck Rack 1,1 Prozent Pressemitteilungen, 0,3 Prozent bezahlte Inhalte wie Advertorials, 24 Prozent Blogs und Inhalte anderer Firmen und rund 27 Prozent journalistische Artikel. Journalistische Artikel und Blogs anderer Firmen tauchen als Quelle also weit häufiger auf als Pressemitteilungen. Wie oft eine einzelne Mitteilung zitiert wird, verrät dieser Anteil allerdings nicht, denn es gibt auch viel mehr Artikel und Blogs als Mitteilungen, und Googles Übersicht mit KI war nicht Teil der Studie. Ich würde trotzdem neben den eigenen Mitteilungen auch dafür sorgen, dass Fachmedien und andere Websites über dich schreiben.
Anteil an allen Quellenlinks in KI-Antworten, nicht die Chance einer einzelnen Mitteilung. Quelle: Muck Rack, What Is AI Reading?, Mai 2026.
- Die robots.txt prüfen. Wer Metas Trainings-Crawler nicht auf der eigenen Seite haben will, trägt dort Meta-ExternalAgent als gesperrt ein. Gegen das Crawlen nach den neuen Bedingungen hilft das nicht sicher. Den Schalter bei Google würde ich auf „einschließen“ lassen.
Rechtsberatung ist das nicht, darauf weise ich ausdrücklich hin. Wie deine Inhalte in Suchmaschinen und in KI-Antworten auftauchen, ist bei uns ein eigenes Feld, wir nennen es SEO und GEO. GEO steht für Generative Engine Optimization, also die Arbeit daran, in den Antworten von KI-Systemen vorzukommen. Den Kurzkasten unseres Azubi-Beitrags bauen wir übrigens um. Sennebogen rückt in den Antwortsatz, und dann lassen wir Gemini noch einmal ran.
Titelbild mit KI erzeugt (Google Gemini), gestaltet nach unserer Bildsprache. Die Grafiken haben wir aus den Zahlen von Sistrix und Muck Rack und aus unserem eigenen Test gebaut.